Gute Studentin, schlechte Lage in Peru

El Niño – es handelt sich hierbei nicht etwa um ein harmloses Kind, sondern ist hier die Rede von einem unaufhaltbaren Klimaphänomen, welches dieses Jahr grosse Teile Perus heimsuchte. Die Folgen sind gravierend: 100`000 Obdachlose, mehrere Dutzend Tote, zahlreiche überschwemmte Stadtviertel, kurz gesagt, ein nationaler Notstand. Eine betroffene halbperuanische Studentin der Universität Fribourg will nicht einfach nur hilflos die schrecklichen Nachrichten aus weiter Ferne verfolgen. Sie will aktiv werden, Spenden sammeln und ihren Landsleuten in Peru helfen. Auch ihr könnt helfen!

El Niño

In den letzten Monaten wurden mehrere Orte in Peru von heftigen Unwettern heimgesucht, welche katastrophale Folgen verursachten. Verantwortlich dafür ist die Klimaanomalie « El Niño » (spanisch für Kind), die hauptsächlich im Pazifikraum entlang der Westküste Südamerikas auftritt. In dieser Saison ist das Phänomen besonders ausgeprägt und Peru besonders betroffen. Die gewaltigen Regenfälle verursachen Erdrutsche und kräftige Überschwemmungen, auf die viele peruanische Städte mit ihren schwachen Häuserkonstruktionen und fragilen Infrastrukturbauten nicht vorbereitet oder genügend ausgerüstet sind. Vor allem Menschen in Armenviertel sind von dem gigantischen Naturereignis betroffen, da ihre Häuser kaum Schutz bieten. Kurzfristig forderte El Niño zahlreiche Obdachlose und Geschädigte, zudem brach eine Nahrungsmittelknappheit aus. Auf die lange Frist gesehen, wird der Wiederaufbau der Städte wohl mehrere Jahre dauern.

Ein betroffener Fall

Auch Helena Chaupis ist vom Naturphänomen persönlich betroffen. Die halbperuanische Psychologie Studentin der Universität Fribourg erfuhr vom verehrenden Ausmass der Überschwemmungen durch ihre in Peru lebenden Verwandten. Ein Cousin konnte beispielsweise nicht mehr zu seinem Zuhause in Lima zurückkehren, weil er in Huaraz auf Grund der starken Überflutungen feststeckte. Helena fühlte sich am Anfang hilflos: „Es gibt nichts, was die wuchtige Wasserkraft aufhalten könnte, es reisst einfach alles mit: Häuser, Menschen, einfach alles.“ Sie informierte sich über die auf Facebook publizierten Videos, denn in den Schweizer Zeitungen blieb die Berichterstattung aus oder wenn darüber berichtet wurde, dann wurde dies laut Helena nur in Kurzform getan: „Ein schäbiger Artikel in der 20 Minuten. Das wars. Dann haben es die Menschen hier eh wieder vergessen.“ Weiter ruft die Studentin energisch aus:

„Wir werden tagtäglich mit solchen schrecklichen Nachrichten konfrontiert, so sind wir gegen jegliche Totenmeldungen und Kriegsereignisse abgestumpft und die Schrecken und Brutalitäten der Welt werden zu einer Normalität für uns. Wir dürfen aber nicht einfach wegschauen. Es muss etwas getan werden.“

Helena hilft

Helena beschloss somit, selber aktiv zu werden, da sie das Leid ihrer Landesleute nicht mehr tatenlos ertragen konnte. Aus diesem Grund hat sie eine Spendenaktion ins Leben gerufen, welche den Opfern finanzielle und moralische Unterstützung leisten soll. Sie sieht sich als Informationsvermittlern der Katastrophe zwischen Peru un der Schweiz, um der hiesigen Ignoranz gegenüber der Katastrophe etwas entgegen zu halten. Unterstützung kriegt sie dabei von ihrer Freundin Delphine Waeber, welche ebenfalls peruanische Wurzeln hat und auch Psychologie an der Universität in Fribourg studiert. Am kommenden Samstag, dem 6. Mai, verkaufen sie von 08.00 bis 13.00 Uhr am Marché in Fribourg am Place de l`Hôtel-de-Ville, Desserts und peruanische Spezialitäten. Diese werden ihnen von den peruanischen Restaurants Chez Mapi und Ici c`est le Pérou zur Verfügung gestellt. Der Erlös der Verkäufe fließt in das Schweizerische Rote Kreuz, welche den Betrag dann anschliessend an das Cruz Roja Peruana weiterreichen wird.

Der Gedanke zählt

Helena und Delphine hoffen, dass sie erfolgreich sein werden und mit dem gesammelten Beitrag ihren Landesleuten unter die Armen greifen können. Es gehe Helena aber bei der ganzen Aktion nicht primär um das Geld, sondern um den sozialen Gedanken, dass ihre Landesleute moralische Unterstützung aus dem Ausland erhielten. Die Geldeinnahme sei zweitrangig, die gute Tat solle den Menschen in Peru Kraft geben, ihre Hoffnung in dieser schwierigen Lage nicht zu verlieren. Helena wünscht sich, dass mehr Leute eine altruistische Haltung aufzeigen:

„Viele Menschen fühlen sich von Situationen, wie jene in Peru, nicht betroffen, da sie psychisch wie physisch weit davon entfernt sind. Durch ihre Hilfe beweisen sie, dass es ihnen nicht egal ist und dass solche schrecklichen Ereignisse keine Normalitäten sind, die man einfach wegblättern kann!“

Mehr Solidarität

Als ich Helena am Schluss unseres Gespräches fragte, ob sie einen Wunsch für Peru habe, wurde die sonst so fröhliche Studentin ganz ernst:

Ich wünsche mir, dass der Staat mehr Solidarität gegenüber den eigenen Landesleuten und der Kultur zeigt. Der Staat sollte das Geld gerechter im Land verteilen und nicht so korrupt sein. Wenn sie das Geld in die Konstruktion der Gebäude oder Infrastrukturen investiert hätten, wie es in Ecuador getan wurde, dann wären die Folgen bestimmt nicht so schlimm gewesen.

Eine „gute“ Studentin macht manchmal also nicht nur der gute Notenschnitt aus. Gewisse Dinge, wie zum Beispiel das Engagement oder der Gerechtigkeitssinn wie es Helena und ihre Freundin an den Tag legen, können schlichtweg nicht auf der Schulbank erlernt werden.

Helft Helena und Delphine, helft Peru

WO:                 Marché in Fribourg, Place de l`Hôtel-de-Ville

WANN:           6. Mai. 2017, 8.00 Uhr bis 13.00 Uhr

WAS:               Spendenaktion für Opfer des Niños in Peru

Quellen:

Wysling, A.:  «El Niño» 100 000 Obdachlose in Peru.

El Niño:        Die El Niño Infoseite: Was ist El Niño?